Steinmetzmeister Erich Reichl

Denkmalpflegepreis 2011
Schloss Anif, Dachstrebewerk, Fialtürme:


Am 12. Jänner 2012 wurde von der Wirtschaftskammer Österreich "Der Steinmetzmeister in der Denkmalpflege 2011" gekürt. Wir sind stolz für unsere Arbeit am Dachstrebewerk, Fialtürme des Schlosses Anif, mit dem 3. Platz ausgezeichnet worden zu sein: 



Endzustand Fialtürme


Das Schloss Anif wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Graf von Arco-Stepperg, ein Urenkel der Kaiserin Maria-Theresia, erwarb das Anwesen 1837, und ließ das Schloss bis 1848, nach Vorbild der englischen Tudorschlösser, im romantischen und neogotischen Stil umgestalten und dekorieren. Das Dachstrebewerk ist in Tuffstein gefertigt. Teilbereiche sind in Kunststein ausgeführt. Armierungen sind in verschiedene Materialien und Qualitäten ausgeführt. Holzverzapfungen und in Zementmörtel eingegossene Eisen kamen zur Anwendung. Diese erzeugten Rissbildungen und Ausbrüche. Zahlreiche Ergänzungen und Fugen wurden bei früheren Maßnahmen in sprödem, hartem grauzementgebundenem Mörtel hergestellt. Dadurch war die notwendige Bewegungsmöglichkeit der schlanken Fialtürme eingeschränkt. In weiterer Folge kam es zu Abstürzen einzelner Baukörper bei einem Sturm (Kyrill) im Jahr 2007 und im Jänner 2008 (Sturm Emma).

Auf Grund des schlechten statischen Zustandes empfahlen wir eine Demontage des Strebewerkes. Dafür sprach u.a., dass das Schadenspotential von außen schwer zu lokalisieren war. Sämtliche Steinteile wurden vermessen und nummeriert. Mit Hilfe entzerrter Fotographien wurden Plangrundlagen für die Wiedermontage geschaffen.
Teilbereiche, die ohne massive Eingriffe nicht abgetragen werden konnten, wurden in situ belassen und durch Vernadelungen gesichert. Dank der Nirostaarmierungen sind Rostsprengungen nicht mehr möglich und durch das Vergießen mit Blei werden die Kräfte von der Armierung zum Stein optimal übertragen.
Intakte Verklammerungen wurden soweit wie möglich frei gelegt, entrostet, dreimal mit Bleiminium gestrichen und in Blei eingegossen.
Stark beschädigte Teile wurden neu mit slowenischem Kalktuff laut altem Muster neu hergestellt. Eine Anpassung der Oberflächen der Neuteile wurde bewusst nicht vorgenommen. Die Verfugung mit den Verschlenzungen im Randbereich wurde, für die Wiederherstellung eines einheitliches Gesamtbildes, bei den neu versetzen Steinen, laut Bestand, vorgenommen. Farblich wurden die neuen Steinteile durch Patinierung mit einer reinen Kalkschlämme dem verunreinigten Bestand angepasst.
Eine weitergehende Reinigung, mit einer Veränderung des Gesamtbildes, wurde nicht vorgenommen, da benachbarte Tuffsteinelemente (Kamine, Balustraden udgl.) weiterhin eine Einheit bilden sollten.
Sämtliche Draufsichten, auch bei den Dreipässen, wurden mit Blei abgedeckt. Weitere Konservierungsmaßnahmen wie Schlämmen, Hydrophobierungen udgl. wurden nicht vorgenommen 


Verbleiung



Neuherstellung 




Neuherstellung