Steinmetzmeister Erich Reichl

26. Salzburger Handwerkspreis

Pfarrkirche Mariapfarr
Altarraumgestaltung und Natursteinrestaurierung

Am 15. Oktober 2016 wurde von der Wirtschaftskammer Salzburg der „26. Handwerkspreis“ vergeben und wir wurden für die Altarraumgestaltung und Natursteinrestaurierung in der Pfarrkirche Mariapfarr mit dem 3. Platz ausgezeichnet.

Im Vordergrund stand die Restaurierung des historischen Fußbodens aus Schaitberger Marmor. Aufgrund räumlicher Änderungen sollten zusätzliche Bodenflächen verlegt und der Altarraum neu gestaltet werden. 

Nachdem der Steinbruch des Schaitberger Marmors nicht mehr in Betrieb ist, machten wir uns auf die Suche nach einem passenden Material. Trotz intensiver Recherche konnten wir keinen entsprechenden Stein, mit dem einmaligen Charakter dieses kristallinen Materials finden. So kam es zur Umsetzung der Idee, den Steinbruch am Obertauern wieder zu aktivieren. Eine intensive Planungsphase folgte. Material in entsprechender Qualität sollte mit vertretbarem Aufwand und möglichst geringem Eingriff in das Naturschutzgebiet gewonnen werden. 

Im Gegensatz zur herkömmlichen, modernen Abbaumethode wurden im Bruch nur Findlinge geborgen. Um diese weiterverarbeiten zu können, entwickelten wir eine neuartige Produktionsmethode. Die unförmigen Steine wurden unter Bedacht auf ihre Lagerrichtung in faserarmierten Beton eingegossen.

Dadurch konnten die Blöcke stabilisiert und mit Gattersägen zugeschnitten werden. Die gealterte Oberfläche wurde dem Bestand durch mehrere handwerkliche Arbeitsgänge angepasst. 


Bei der Restaurierung des Bodens wurden die traditionellen Handwerksmethoden wieder aufgenommen. Die mittelalterlichen Marmorplatten waren noch im ursprünglichen Kalkmörtelbett versetzt. Schon bei der bauzeitlichen Herstellung des Belages wurden Fehlstellen ausgezwickelt, bereits damals war es schwierig, großformatige Platten zu gewinnen.

Diese Auszwickelungen und die schiefernde Oberfläche verliehen dem Boden seinen alterswertigen, historischen Charakter. Diesen galt es, bei den Neuflächen und den restaurierten Bereichen nachzuahmen. Großflächige Neuherstellungen und der Erhalt der Originalsubstanz durch Minimalinterventionen waren in Einklang zu bringen. 

Für den Altarraum sollte ein neuer Altar und Ambo gestaltet werden. In der Apsis mit vielen unterschiedlichen Bauphasen von Mittelalter, Barock und Neuzeit sollte der Volksaltar harmonisch eingebunden werden. Die Verwendung des Schaitberger Marmors war nahe liegend. Im Zuge der spektakulären Materialgewinnung konnten wir einen Block mit 20 Tonnen gewinnen. Es galt die „gewachsene“ Oberfläche des einzigartigen Steines in Einklang mit der umliegenden Architektur zu bringen. Eine zurückhaltende, schlichte Bearbeitung sollte die natürlich entstandene Formgebung, architektonisch anspruchsvoll, zur Geltung bringen.